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So schützen Sie sich vor Diabetes

Viele Menschen haben ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes. Doch oft können sie die Krankheit vermeiden. Eine Betroffene berichtet, wie sie das schafft
von Ute Wild, aktualisiert am 14.11.2016

Diabetes vorbeugen: Bewegung trägt viel dazu bei

Thinkstock/iStockphoto

Täglich 30 Minuten joggen – auf diese Vorsorge schwört Anne Stark (Name von der Redaktion geändert) seit Jahren. Was für viele Menschen nach enormer Willensleistung klingt, kostet die Münchnerin längst keine Überwindung mehr. "Laufen ist für mich so selbstverständlich wie Zähneputzen", erklärt die 48-Jährige. Die Autorin und Fernseh-Redakteurin hat eine starke Motivation: Sie absolviert ihr Fitnessprogramm, um den Ausbruch von Diabetes zu vermeiden.

Nach der Geburt ihrer Tochter vor 16 Jahren erfuhr Stark, dass sie an Schwangerschaftsdiabetes gelitten hatte, der nicht entdeckt worden war. Diese Diabetes-Form verschwindet meist nach der Entbindung, sie erhöht aber das Risiko, später an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Stark hatte Glück. Das Warnsignal bot ihr die Chance, rechtzeitig einer späteren Zuckerkrankheit gegenzusteuern. Mit Sport und gesunder Ernährung hält sie die Gefahr seither in Schach. "Alle Werte sind gut", sagt sie.

Viele wissen nichts von ihrem Diabetesrisiko

In Deutschland haben rund acht Millionen Menschen Diabetes mellitus, hat die Universität Köln ermittelt. Das sind so viele wie die Einwohner von Berlin, Hamburg, München und Köln zusammen. Hinzu kommen rund drei Millionen, schätzen Experten, die nicht wissen, dass sie zu der Risikogruppe gehören – wie Anne Stark, die lange ahnungslos war.

"Sogar Krankheitssymptome wie Müdigkeit und häufiges Wasserlassen werden oft verdrängt", berichtet Dr. Nikolaus Scheper. Der Hausarzt und Diabetologe mit einer Schwerpunktpraxis im westfälischen Marl rät allen, die Gewissheit haben möchten, beim nächsten Hausarztbesuch einen "Check-up 35" wahrzunehmen. Diese Untersuchung für über 35-Jährige beinhaltet auch einen Nüchternzucker-Test und wird alle zwei Jahre von den Krankenkassen bezahlt. Bei auffälligen Werten veranlasst der Arzt weitergehende Untersuchungen. "Zu der Risikogruppe für Typ-2-Diabetes", so Scheper, "zählen Menschen, in deren Familie die Krankheit vorkommt, die Herz-Kreislauf-Probleme haben, und vor allem Übergewichtige".

An welchen Anzeichen Sie einen Diabetes erkennen können, lesen Sie auf unserem Partnerportal www.diabetes-ratgeber.net: Symptome eines Diabetes

Gewichtsprobleme hatte Stark nie. Auch während der Schwangerschaft blieb sie schlank. Aus diesem Grund wurde ihr Blutzucker damals nicht gemessen, mittlerweile gehört eine Untersuchung auf Schwangerschaftsdiabetes zum Standardprogramm für werdende Mütter. Erst als ihre Tochter mit einem deutlich überdurchschnittlichen Gewicht von fünf Kilo zur Welt kam, vermuteten die Ärzte einen Schwangerschaftsdiabetes. Rund vier Prozent der Schwangeren sind von dieser Diabetes-Form betroffen. "Mein Hausarzt hat mir erklärt, dass damit mein Risiko steigt, Typ-2-Diabetes zu entwickeln", erinnert sich Stark. "Er hat mir aber Mut gemacht und mich informiert, wie ich die Bedrohung unter Kontrolle bekomme."

Typ-1- und Typ-2-Diabetes

Nach Berechnungen der Allgemeinen Ortskrankenkassen haben zehn Prozent der Diabetes-Patienten den Typ 1 oder eine seltene Unterform. Bei dieser Autoimmunerkrankung bildet die Bauch­speicheldrüse zu wenig Insulin. Das Hormon ist dafür zuständig, dass die Körperzellen Glukose aufnehmen. Fehlt es, steigt der Blutzuckerspiegel. Typ-1-Diabetiker sind auf Medikamente angewiesen.

Anders geht es den rund 90 Prozent der Patienten mit der Typ-2-Variante. Sie verfügen zwar über genug Insulin, doch die Rezeptoren, die den Transport des Zuckers aus dem Blut in die Zellen regeln, reagieren zunehmend schlechter auf das Hormon. "Sie werden resis­tent", sagt Scheper, "Zucker bleibt im Blut." Experten sind sich einig, dass Diabetes vor allem durch einen ungesunden Lebensstil ausgelöst wird. Daher bestehen gute Chancen, wirksam vorzubeugen.

Ständig erhöhte Blutzuckerwerte können fatale Folgen haben. Eine Forschungsgruppe in den USA wies zum Beispiel nach, dass Frauen unter 60 Jahre deutlich häufiger am Herzen erkranken, wenn sie durch Typ-2-Diabetes vorbelastet sind. Untersuchungen weisen außerdem darauf hin, dass Diabetes auch Depressio­nen und Demenz begünstigt. Nicht zuletzt gehen viele Amputationen in Deutschland auf das Konto der Erkrankung.

Viel Bewegung und gesunde Ernährung schützen vor Diabetes

"Wer sich gesund ernährt und regelmäßig bewegt, hat eine extrem hohe Chance, Diabetes hinauszuzögern oder zu vermeiden", sagt Professor Peter Schwarz. Er leitet an der Technischen Universität Dresden den Lehrstuhl für Diabetes-Prävention. Sein Ziel: besser aufklären, damit mehr Menschen die Früherkennung nutzen.

"Viele verdrängen das Thema, weil sie Angst vor Einschränkungen haben", erläutert Schwarz. Sie befürchten, lebenslang Diät halten zu müssen oder den Arbeitsplatz zu verlieren. Zu Diabetes gibt es viele Vorurteile und falsche Ängste. Daher ermutigt Schwarz Patienten mit Diabetes-Risiko: "Die Diagnose bedeutet nicht, dass alles vorbei ist. Im Gegenteil: Jetzt geht es erst richtig los!" Oft genüge es, nur einige ungesunde Gewohnheiten abzulegen. Er betont: "Gesund zu leben ist eine Frage der freien Entscheidung."

Anne Stark nimmt ihr Schicksal schon seit Jahren aktiv in die Hand. Neben dem täglichen Jogging geht sie seit Kurzem zweimal wöchentlich in ein Fitnessstudio. "Mehr Muskeln verbrauchen mehr Energie", erklärt sie. "Das senkt den Blutzucker ganz natürlich." Bei ihrer Ernährung setzt Stark auf gesunden Genuss: "Ich esse gerne, was mich lange satt macht." Obst und Gemüse, Haferflocken und Vollkornprodukte stehen daher täglich auf dem Speiseplan der Familie.

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